Textklarheit
| Antrag (initiativ): | So dringend wie nie! Machtstrukturen aufbrechen. |
|---|---|
| Antragsteller*in: | Jonathan (Dekanat Freiburg) |
| Status: | Geprüft |
| Angelegt: | 21.04.2023, 22:45 |
| Antrag (initiativ): | So dringend wie nie! Machtstrukturen aufbrechen. |
|---|---|
| Antragsteller*in: | Jonathan (Dekanat Freiburg) |
| Status: | Geprüft |
| Angelegt: | 21.04.2023, 22:45 |
Der BDKJ Diözesanverband Freiburg positioniert sich kritisch zum destruktiven
Ausleben von Macht in der Erzdiözese Freiburg. Wir beziehen aktiv Stellung und
wehren uns gegen jegliche Form des Machtmissbrauchs.
Als Dachverband der katholischen Jugendverbandsarbeit in der Erzdiözese Freiburg
bieten wir demokratische, selbstorganisierte, fehlertolerante und angstfreie
Räume für junge Menschen in der katholischen Kirche. Wir erleben auf
unterschiedlichen Ebenen, dass die Umsetzung unserer Werte durch strukturelles
und persönliches Handeln der Bistumsleitung1 erschwert oder gar verhindert
werden.
>> Wie wir miteinander umgehen. <<
Wir nehmen wahr, dass Engagierte immer wieder irritiert von der reaktionären
Haltung, unverstanden in ihrer Lebensrealität und ihrem Kirchenbild und
schockiert über die Art und Weise des Umgangs aus Gesprächen mit der
Bistumsleitung kommen. Dies bedarf erklärende Gespräche bis hin zu
seelsorgerliche Nachbereitung der Treffen. Als ein Beispiel kann hier das
vergangene Treffen der geistlichen Verbandsleitungen mit der der Bistumsleitung
im März 2023 genannt werden.
Zur Stärkung unserer Werte ist uns ein regelmäßiger Austausch mit der
Bistumsleitung ein wichtiges Anliegen. Immer wieder haben wir in den vergangenen
Jahren den konstruktiven Dialog gesucht. Wir haben Problemstellungen der
Jugendverbandsarbeit benannt und waren bemüht, gemeinsam mit der Bistumsleitung
passende Zielbilder und adäquate Lösungen zu erarbeiten. Aus unserer Sicht ist
dieses Vorgehen jedoch gescheitert, da es vielfach zu keiner wirklichen
Zusammenarbeit, sondern maximal zu einem Informationsaustausch kam.
Immer wieder werden Gespräche nicht auf Augenhöhe geführt und bei aller Betonung
des Dialoges findet dieser nur in eine Richtung statt. Themen werden überwiegend
emotional und angstgetrieben, statt sachlich und fokussiert besprochen. Für uns
ist dies kein Dialog und kein wertschätzender Umgang mit Mitmenschen! In
Situationen zwischen der Bistumsleitung und oft ehrenamtlichen Verbandler*innen
nehmen wir verstärkt eine Ausübung autoritärer Macht wahr. Dies ist für uns
nicht akzeptabel!
Wir fordern daher
>> Wie wir gemeinsam Kirche gestalten. <<
Wir nehmen wahr, dass die Anerkennung und Unterstützung eigenständiger
kirchlicher Organisationsformen strukturell verhindert und gehemmt wird. Die
Gründe und Ängste dahinter verstehen wir nicht. Das aktive Verhindern zeigt sich
unter anderem bei anzeigepflichtigen Verfahren, wie beispielsweise bei der
Anerkennung von Jugendverbänden oder Satzungsgenehmigungen.
Aktuelle Satzungsgenehmigungsverfahren der Jugendverbände laufen schleppend,
komplex und intransparent ab. Die Kriterien nach denen Genehmigungen erteilt
oder verweigert werden, sind für uns aus demokratischer und jugendpolitischer
Sicht nicht nachvollziehbar.
Wir erkennen an, dass solche Verfahren nicht zwingend einfach sind. Auch
verstehen wir, dass das Bistum ein Interesse daran hat, Satzungen
kirchenrechtlich mitzugestalten und Verantwortliche zu schützen. Inhaltliche
Eingriffe in das Selbstbestimmungsrecht unserer Jugendverbände nehmen wir
allerdings als eine aktive Verhinderung von Vielfalt wahr. Die von der
Bistumsleitung vorgebrachten Äußerungen zeigen unserer Meinung nach auf, dass
hier der Glaube an die gelebte innerverbandliche Demokratie sowie die Expertise
junger Menschen nicht vorhanden ist. Vielmehr wird demokratischen Versammlungen
die Entscheidungskompetenz und die Reife zum Erfassen von Konsequenzen
abgesprochen.
Wir fordern daher
>> Wie Strukturprozesse dem Inhalt dienen. <<
Wir nehmen wahr, dass es im Bistum einige Change-Prozesse gibt, die immer wieder
auch als Kulturveränderungsprozesse und nicht als reine Strukturprozesse
dargestellt werden. Die Ziele und Haltungen dazu lesen sich gut. Allerdings sind
uns die Konsequenzen, die aus den Kulturveränderungen resultieren sollen unklar.
Diese Unklarheit sorgt für eine hohe Frustration und Überforderung aufgrund
intransparenter und komplizierter Prozesskommunikation bei Engagierten. Daraus
ergibt sich ein weiterer Vertrauensverlust in (Prozess-)Verantwortliche.
Wir fordern für die aktuell uns betreffenden Prozesse (KE 2030 und DPI)
>> Wie weiter? <<
Wir nehmen wahr, dass nach den vergangenen Versammlungen des synodalen Weges
sowie nach der Veröffentlichung des Berichts der AG Aktenanalyse keine Zusage
des Erzbischofs erfolgte, die missbrauchsbegünstigenden Strukturen zu verändern.
So wurde beispielsweise im Anschluss an die Veröffentlichung des
Abschlussberichts der AG Aktenanalyse von der Bistumsleitung formuliert, dass
die hierarchische und episkopale3 Verfasstheit der aktuellen Leitungsstrukturen
nicht angegangen werden wird. Dies beschämt uns vor allem im Hinblick auf die
vielen bundes- und diözesanweiten Betroffenen, die in diesen Tagen erneut mit
ihrem Leid konfrontiert werden. Angesichts der schockierenden Ausmaße des
Systemversagens lässt uns der anhaltende mangelnde Veränderungswille fassungslos
zurück. Darüber hinaus haben wir den Eindruck, dass die Forderungen der MHG-
Studie zur Machtsensibilisierung nicht in der Bistumsleitung angekommen sind.
Wir fordern
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1Wir verstehen als Bistumsleitung entsprechend https://www.ebfr.de/erzdioezese-
freiburg/ueber-das-erzbistum/bistumsleitung/ den Erzbischof, die Weihbischöfe,
den Generalvikar, den Offizial und das Domkapitel und die in ihrem Auftrag
handelnden Institutionen.
2Pressekonferenz der AG Aktenanalyse am 18.04.2023.
3bischöflich
4Stellungnahme des Betroffenenbeirates Freiburg zum Abschlussbericht der
Arbeitsgruppe Aktenanalyse
vom 18.04.2023 - Ein Schutzraum für Missbrauchstäter, eine Hölle für Kinder
(https://www.ebfr.de/betroffenenbeirat/detail/nachricht/id/180516-stellungnahme-
des-betroffenenbeirates-freiburg-zum-abschlussbericht-der-arbeitsgruppe-
aktenanalyse/?cb-id=12297722)
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