| Antrag (initiativ): | Ehrenamt stärken, jugendverbandsfeindliche Strukturen beseitigen – nicht erst 2030 |
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| Antragsteller*in: | DL |
| Status: | Geprüft |
| Angelegt: | 22.04.2023, 16:15 |
Ä4 zu I2: Ehrenamt stärken, jugendverbandsfeindliche Strukturen beseitigen – nicht erst 2030
Von Zeile 93 bis 95:
Die Diözesanleitung wird beauftragt,
diesensich zu diesem Beschlussauf Bundesebenemit den Diözesanverbänden anderer Bistümer – insbesondereinim Rahmen der anstehenden Bundeskonferenz der Diözesanverbände –kurz vorzustellenzu vernetzen.
Im vergangenen Jahr hat die Zusammenarbeit des Erzbistums Freiburg mit den
Jugendverbänden einen Tiefpunkt erreicht. Diese war geprägt von
Kommunikationsproblemen – Anfragen wurden erst nach Monaten bearbeitet oder in
Gänze ignoriert -, nicht eingehaltenen Absprachen, Eingriffen in die Autonomie
der Jugendverbände und dabei nicht zuletzt auch von Machtmissbrauch durch
Vertreter*innen des Erzbistums.
Uns wird das Gefühl vermittelt, dass unser größtenteils ehrenamtlicher Einsatz
für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in unserer Kirche vom Erzbistum
nicht wertgeschätzt, teilweise sogar nicht gewollt ist. In vielen Bereichen
müssen wir wahrnehmen, dass unsere Arbeit vom Erzbistum geradezu boykottiert
wird. Exemplarisch seien Anstellungsprozesse, Digitalisierungsprozesse im
Verband und Satzungsgenehmigungen genannt.
Hierbei werden Konflikte – struktureller sowie inhaltlicher Art – immer an den
Stellen ausgetragen, an denen ein einseitiges Abhängigkeitsverhältnis der
Jugendverbände zum Erzbistum besteht. Unsere Anliegen werden nicht gehört, es
besteht keine Möglichkeit für uns, uns zur Wehr zu setzen oder auch nur auf
Augenhöhe mit den Vertreter*innen des Erzbistums ins Gespräch zu kommen. Wir
fühlen uns oft hilflos und wütend angesichts des Umgangs, den das Bistum
gegenüber jungen Menschen, die freiwillig einen großen Teil ihres Lebens dem
Dienst für Kinder und Jugendliche widmen, an den Tag legt.
Durch die noch heute bestehenden Machtstrukturen und den andauernden
Machtmissbrauch durch Verantwortliche im Erzbistum Freiburg ist eine
konstruktive Zusammenarbeit mit dem Erzbistum aktuell nicht möglich.
Für uns als BDKJ steht daher nun ein Paradigmenwechsel an:
Aufgrund des beschriebenen Verhaltens seitens des Erzbistums sehen wir uns
gezwungen, unsere Probleme öffentlichkeitswirksam an die Verantwortlichen
heranzutragen. Wir sind Teil der römisch-katholischen Kirche und wollen
teilhaben an ihrer Sendung. Unsere Tätigkeit verstehen wir als Dienst an Kindern
und Jugendlichen. In unser Arbeit vermitteln wir christliche Werte und leben
Gemeinschaft. Aktuell nehmen wir wahr, dass unsere Themen nicht ernst genommen
werden. Deshalb können wir nur und müssen sogar darauf hoffen, durch eine breite
Öffentlichkeit endlich echte Veränderung und ein echtes Umdenken in Gang zu
setzen.
Darum fordern wir:
Ehrenamtlich in unserer Kirche tätige Personen müssen die Wertschätzung
erfahren, die sie für ihren Einsatz verdienen. Die Arbeit der kirchlichen
Verwaltung muss darauf ausgerichtet sein, Ehrenamtliche bei ihrer Arbeit
zu unterstützen und zu fördern.
Der Umgang mit Macht in unserem Bistum muss entsprechend unseres
Beschlusses „So dringed wie nie! - Dienende Machtstrukturen im Erzbistum
Freiburg“ reflektiert und autoritäre Machtstrukturen möglichst abgebaut
werden. Insbesondere wird dabei der Blick auf Machtmissbrauch durch
Entscheidungsträger*innen des Bistums gerichtet. Die Ergebnisse aus dem
Synodalforum I "Macht und Gewaltenteilung in der Kirche – Gemeinsame
Teilnahme und Teilhabe am Sendungsauftrag" werden aktiv zur Umsetzung
gebracht.
Die Anliegen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in unserer
Kirche müssen ernst genommen werden. Bei für diese Zielgruppe relevanten
Entscheidungen und Debatten wird für eine Möglichkeit der Beteiligung
gesorgt.
Die konkrete Anwendung dieser Forderungen bedeutet für uns:
Dem Ministrantenverband wird UNVERZÜGLICH die kirchliche Anerkennung
bewilligt.
Die Satzungen des BDKJ und aller seiner Jugendverbände sind zu genehmigen.
In Zukunft respektiert das Bistum die demokratische Autonomie der Vereine.
In demokratischen Prozessen debatierte und beschlossene Satzungen dürfen
auch in Zukunft nicht aufgrund der politischen Entscheidungen und
Ansichten einzelner Machtträger*innen unseres Bistums scheitern.
Der Ablauf von Anstellungsprozessen in der Abteilung wird intern
vollständig reflektiert und überarbeitet. Verbindliches Ziel muss sein,
dass zwischen Zusage des*der Bewerber*in und Beginn der Tätigkeit maximal
vier Wochen, in frühzeitig begründeten Ausnahmen maximal sechs Wochen
vergehen.
Das Bistum nimmt Bemühungen auf, gemeinsam mit der MAV eine
Dienstvereinbarung zu erstellen, die insbesondere die Nutzung digitaler
Tools und Dienstgeräte umfasst. Insbesondere muss die Nutzung von
Diensthandys für Mitarbeitende so schnell wie möglich ermöglicht werden,
damit haupt- und ehrenamtlich Tätige in der kirchlichen Jugendarbeit
sinnvoll zusammenarbeiten können. Bei der Nutzung digitaler Tools ist
hierbei proaktiv Feedback aus den Reihen der Jugendverbände einzuholen, um
sicherzustellen, dass hauptamtliche Mitarbeiter*innen (im Rahmen der
datenschutzrechtlichen Voraussetzungen) die Tools verwenden dürfen, die
ehrenamtliche Jugendliche nutzen und in den Verbänden bereits eingesetzt
werden.
Das Erzbistum erkennt die Jugendverbände als wertvollen Teil unserer
Kirche an und unterstützt die Arbeit in den Gruppen vor Ort nach Kräften.
Insbesondere muss es verbandlichen Jugendgruppen vor Ort möglich sein,
kirchliche Räumlichkeiten entgeltfrei zu nutzen. Jugendleiter*innen dürfen
nicht von Verantwortlichen der Kirche unter Druck gesetzt werden, ihre
Autonomie als Verein abzulegen.
Um diese Forderungen umzusetzen, gehen wir in den nächsten Jahren folgende
Schritte an:
Alle bestehenden Kommunikations- und Gesprächsmöglichkeiten mit dem Bistum
(Bischofsgespräch, Strategiegespräch mit der Abteilungsleitung,
Jahresgespräch mit dem Generalvikar, Pizzaessen mit dem Rektor des ESA
etc.) werden dazu genutzt, unsere Forderungen einzubringen.
Um unsere Anliegen effektiver einbringen zu können, verstärkt der BDKJ
Diözesanverband seine Netzwerkarbeit. Dabei unterstützen die Jugend- und
Dekanatsverbände nach ihren Möglichkeiten. Das bedeutet insbesondere:Die Diözesanleitung und der KiPo werden beauftragt, unsere Probleme
und diesen Beschluss in den Diözesanrat einzubringen und dort für
Unterstützung in unseren Anliegen zu werben.Die Diözesanleitung wird beauftragt,
diesensich zu diesem Beschlussaufmit den Diözesanverbänden anderer Bistümer – insbesondere
Bundesebeneinim Rahmen der anstehenden Bundeskonferenz der
Diözesanverbände –kurz vorzustellenzu vernetzen.Die Diözesanleitung wird beauftragt, nach weiteren
Netzwerkpartner*innen vor allem im Bereich der katholischen Verbände
zu suchen und diese aktiv für die Unterstützung unserer Forderungen
zu gewinnen.
Unsere Forderungen werden in der regulären Öffentlichkeitsarbeit des BDKJ
Diözesanverbandes platziert. Zudem wird eine Übersichtsseite auf der
Homepage erstellt, die die oben aufgeführten Problematiken, die bisherige
Entwicklung sowie diesen Beschluss für unsere Mitglieder und externe
Stellen verständlich aufbereitet. Im Zuge dessen wird auch ein Sharepic
erstellt, sodass die Jugend- und Dekanatsverbände diesen Beschluss leicht
im Rahmen ihrer eigenen Öffentlichkeitsarbeit einbringen können.
Zudem wird die Diözesanleitung dazu beauftragt Pressearbeit zu dem Thema
aufzubauen und die Themen dieses Beschlusses nach Möglichkeit in Medien zu
platzieren, die auch Menschen außerhalb unserer gewöhnlichen Zielgruppe
erreichen.
Im Rahmen dieses Beschlusses wird eine Postkartenaktion aufgelegt, die die
oben genannten Kritikpunkte und Forderungen aufgreift. Gemeinsam mit den
Jugend- und Dekanatsverbänden versuchen wir so, unsere Themen direkt bei
Verantwortlichen des Erzbistums Freiburg zu platzieren.
Die unternommenen Maßnahmen werden auf der Diözesanversammlung 2024 reflektiert
und bei Bedarf erweitert. Auf der Diözesanversammlung 2025 reflektieren wir den
Effekt unserer Kampagne und ziehen im Zweifelsfall die für uns notwendigen
Konsequenzen.
Darüber hinaus sind wir weiterhin offen für Gespräche mit Vertreter*innen des
Bistums, die konstruktiv, mit gegenseitigem Respekt und Wertschätzung und auf
Augenhöhe stattfinden. Denn wir wollen unsere Kirche gemeinsam zu einem Ort
machen, der für junge Menschen offen ist und sie willkommen heißt.
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